komplizierte Trauer

Trauer nach dem Verlust einer nahestehenden Person oder eines liebgewonnenen Tieres läuft häufig nach einem Muster ab, das die Trauernde bzw. den Trauernden auch Anstrengung kostet (sog. Trauerarbeit) oder sie auf Erfahrungen nach früheren Verlusten aufbauen lässt (Coping-Fertigkeiten, Resilienz). Meist sind in unserer Kultur die folgenden Phasen der Trauer zu erkennen:

 

  1. Schock/Lähmung, nicht-wahrhaben-wollen des Verlusts,
  2. heftige, wechselnde Emotionen, Appetit- und Schlafstörungen,
  3. schliesslich Ablösung vom Verlorenen, und
  4. schrittweise Rückkehr ins reale Leben, neue Sinnsuche (Wiederherstellung).

 

Dieser Prozess kann in jeder dieser Phasen stehenbleiben und dort verstärkt werden. Wir bezeichnen dies als komplizierte (oder pathologische/traumatische) Trauer. Oft wird eine komplizierte Trauer durch andere Belastungsstörungen, Angstkrankheiten (insbesondere ein generalisiertes Angstsyndrom) oder eine Depression verstärkt oder unterstützt. In der Therapie wird der natürliche Trauerprozess wieder aufgenommen und Schritt um Schritt zu einem guten Ende weitergeführt.

 

Besonders auch der Umgang mit einem sog. ungewissen Verlust, wenn jemand spurlos verschwindet und bei den Nahestehenden die Ungewissheit zurücklässt, ob er/sie noch lebt oder als Opfer eines Unfalls oder Verbrechens verstorben ist, erschwert die Trauer. Therapeutisch wird in dieser Situation erlernt, mit der Ungewissheit der Situation zu leben. Oft hilft ein Abschiedsritual, die Ungewissheit zu ertragen und zu akzeptieren.